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{6. Februar 2015}   Ich bin Insolvent

Ich bin Insolvent

Und ich weiß, es gibt viele Meinungen dazu. Einige sind der Meinung, man soll gefälligst für Schulden, die man gemacht hat, grade stehen oder sehen das als Schwäche, als Versagen. Für viele passiert das ihrer Meinung nach nur Leuten aus den unteren Schichten oder Personen mit wenig IQ. Hat derjenige nicht vielleicht über seine Verhältnisse gelebt? Ist man nicht selbst schuld? Man schämt sich ein wenig. Und fragt sich manchmal selbst: Wie konnte es dazu kommen? Ich möchte mich hier nicht rechtfertigen, denke aber trotzdem ich muss zuerst mehr ins Detail gehen. Und dazu muss man einen ganzen Schritt weit zurückgehen. Bis ins Jahr 2008.

Im Januar 2008 sah meine Welt noch normal aus. Ich war verheiratet, hatte zwei Kinder, die waren 11 und 12 Jahre alt, wir lebten im Eigenheim und mein Mann wollte sich den Traum von der Selbständigkeit verwirklichen. Natürlich gab es auch Differenzen, aber wo gab es das nicht. Hochs und Tiefs, gute und schlechte Zeiten. Ich ging davon aus, dass dies der durchschnittliche Alltag sei. Eines machte mir Sorgen und das war, dass ich meine Teilzeitstelle verlieren sollte. Die Firma, in der ich beschäftigt war, wurde an einen anderen Investor verkauft und dieser wollte Stellen im Büro abbauen. Da mein Vertrag befristet abgeschlossen war, stand ich natürlich als eine der ersten auf der Abschussliste. Aber ich bin im Prinzip ein positiv denkender Mensch und war der Meinung, dass sich schon wieder was ergeben würde. Es geht immer irgendwie weiter.

Im Februar klappte aber dieses schöne Kartenhaus zusammen. Es ging mir nicht gut. Über Wochen. Ein paar Mal war ich beim Arzt, der konnte jedoch nichts finden, wir dachten es sei eine Erkältung oder der Stress. Nun war ich ohne Arbeit, die Selbständigkeit musste erst anlaufen und von daher hätten es auch Stressbedingte Symptome sein können. Eines Morgens ging jedoch nichts mehr. Ich bekam kaum Luft, alles tat weh, alles drehte sich. Erneut fuhr ich zum Arzt und nach einigen Untersuchungen und der später erfolgten Einweisung in die Klinik mit dem RTW dann die Diagnose: Leukämie. Trotzdem brach meine Welt nicht zusammen. Immer noch dachte ich positiv. Ich würde nicht sterben. Nicht jetzt. Nicht mit 33 Jahren. Es musste ein Stammzellenspender her und ich hatte das große Glück, wie ein 6er im Lotto, mein Bruder passte perfekt. Es war eine schwere Zeit, ich lag fast 3,5 Monate im Krankenhaus und die Behandlung hinterließ seine Spuren. Ich möchte an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, dies ist ein anderes Kapitel meines Lebens. Es ist nur so, dass ich mich von meinem Mann ein wenig allein gelassen fühlte. Sonntags, während andere Besuch hatten, saß ich des Öfteren alleine. Ich sprach ihn darauf an, hatte viel Zeit zum nachdenken. Was ich auf keinen Fall wollte, war das, was man immer mal wieder hörte. Leute mussten sich nach so einer Zeit „selbst finden“, ihr Leben komplett ändern. Ich wollte nur mein altes Leben zurück. Trotzdem sprachen wir auch darüber, dass er nicht aus Mitleid bei mir bleiben musste, wenn er vielleicht in Wirklichkeit anders darüber dachte, aber das stritt er ab. Wie dem auch sei. Bereits Ende 2008 zog er vorerst zuhause aus und vorübergehend bei einer anderen Dame ein. Es folgten Gespräche, Eheberatung, er nahm sich eine Wohnung, wir näherten uns wieder an. Er zog wieder ein.

Die Firma lief noch nicht sehr gewinnbringend. Er hatte einen Kredit für Existenzgründer aufgenommen, das Haus war dort als Sicherheit eingetragen. Doch die Risse waren nicht zu kitten. Somit hatte ich nun alles verloren. Meine Arbeit, meine Gesundheit, meine Ehe. Drei große Säulen im Leben. In 2009 stand ich vor der Entscheidung mich entweder wieder arbeitssuchend zu melden, oder die Erwerbsunfähigkeitsrente zu beantragen. Ich entschied mich dafür, langsam wieder arbeiten zu gehen. Ich wollte immer noch mein altes Leben zurück, einfach Normalität. Ich hatte einen 400 Euro-Job angenommen und besuchte einen Wiedereingliederungskurs für Behinderte Menschen ins Arbeitsleben, da ich ab sofort zu 100% Schwerbehindert war.

Anfang 2010 bekam ich dann eine halbe Stelle im öffentlichen Dienst (werde die Stelle AG 1 nennen, da ich dort einen größeren Stundenumfang habe) und behielt weiterhin den 400 Euro-Job (in der Folge nun AG 2), der mir im Prinzip Spaß machte. Als es dann in 2010/2011 absehbar war, dass unsere Ehe nur noch auf dem Papier bestand hatte, war ich an einem weiteren Tiefpunkt angelangt. Bisher hatten wir jede Kreditrate pünktlich bezahlt, mussten nie nachfinanzieren. Wir hatten fast die Hälfte der Laufzeit rum, so langsam wurde die Tilgung mehr und der Zinsbetrag weniger. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt mit einer Entscheidung zu warten, bis unsere Kinder Volljährig wären. Dann wäre auch das Haus weiter abbezahlt. Aber es kam anders als gedacht. Mein Mann verliebte sich. Mir war klar, dass ich nun Nägel mit Köpfen machen würde. Ziemlich bald zog er aus. Es war Frühjahr 2011.

Sein Durchschnittseinkommen betrug gerade mal 750 Euro im Monat. Der Kredit fürs Haus auch. Also vereinbarten wir vorerst, dass er anstatt Unterhalt für mich und die Kinder zu zahlen, den Kredit weiter bedienen würde. Das klappte bis zum Ende des Jahres ganz gut. Von den Fällen abgesehen, wo ich hinter ihm her telefonieren musste um ihn an die Überweisung zu erinnern. Wir hatten ein Haushaltskonto, dort lief das Geld drauf. Da wir der Bank immer sofort reinen Wein eingeschenkt hatten, hatte keiner von uns mehr die Befugnis dort Geld abzuheben. Frei verfügen konnten wir nur noch über unsere eigenen Konten.

Zum Ende des Jahres 2011 war es absehbar, dass ich / wir die Raten nicht mehr lange würden aufbringen können. Seine neue Lebensgefährtin erwartete in wenigen Wochen ein Kind, der Unterhalt an uns wurde spärlicher. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt einen Vertrag mit fast 6% Zinsen laufen. Noch bis März 2013. Ich machte also Termine bei der Bank, bat um neue Verhandlungen. Aber das wurde abgelehnt. Ich bat darum, meinen Mann aus den Verträgen raus zu nehmen, ich würde dann das Haus alleine weiter abbezahlen. Aber das wurde abgelehnt. Man wollte ihn lieber als Sicherheit behalten. Was dann aber auch bedeuten würde, dass ich, falls ich die nächsten 14 Jahre weiter alleine abzahlen würde, er dann später weiterhin ein Anrecht auf die Hälfte des Vermögens haben würde.

Zudem wurde es immer absehbarer, dass er mit seiner Firma auf eine Insolvenz zusteuerte. Das bedeutete zudem, dass in diesem Falle das Haus als Sicherheit galt und ggf. gepfändet werden könnte. Ich schrieb Briefe. Ich machte weitere Termine, auch bei anderen Banken. Man belächelte mich. Die Trennung sei mein persönliches Problem. Vertrag ist Vertrag. Bla bla bla. Ich wurde immer verzweifelter, bin aber ein Mensch, der nicht so leicht aufgibt. Ich grübelte nächtelang. Ich konnte nicht tatenlos dabei zusehen, wie immer öfter Rücklastschriften des Haushaltskontos eintrudelten, wollte nicht abwarten bis das Haus verpfändet würde.

Dem Stromanbieter teilte ich mit, dass die Rechnungen nur noch an mich gehen sollten. Den ganzen Sommer über hatten wir auch für die Nachtspeicherheizung Strom gezahlt, der ja de facto noch nicht genutzt wurde. Eigentlich sollten die nur den Namen ändern. Sie kündigten allerdings den Vertrag „Eheleute“ und schlossen einen neuen mit mir ab. Und überwiesen plötzlich im Dezember 1000 Euro Rückerstattung auf das Haushaltskonto. Keiner von uns konnte dort was abheben. Es war also weg, bzw. ging dann in der Folgezeit erst mal für ausstehende Kreditraten drauf. Auch mit der Wohngeldstelle bekam ich plötzlich Ärger. Ich hatte im Frühjahr direkt Bescheid gesagt, als mein Mann auszog, die Antwort war, dass die Bewilligung bis Oktober laufe und man dann weiter sehe. Das Wohngeld war nötig gewesen, da ich immer noch nur Teilzeit arbeitete (plus 400 Euro Job und die Firma meines Mannes weiterhin nicht viel Abwarf). Als ich den Antrag dann im Oktober erneuerte, sollte ich über 1000 Euro zurück zahlen, da wir mit 3 Personen weniger Anspruch gehabt hätte, als mit vier. Ich fiel aus allen Wolken. Wie das denn?Trotzdem begann ich den Betrag in Raten abzustottern, was aber meinen monatlichen Spielraum weiter einschränkte.

Anfang 2012 gab ich also eine Annonce auf. Haus zu verkaufen. Und tatsächlich: ich bekam Anrufe. Aber überwiegend von Maklern. Nun, mir sollte es Recht sein. Gleichzeitig machte ich mich auf Wohnungssuche. Das würde nicht einfach werden. Ich war schließlich keine Traummieterin. Allein erziehend, 2 Kinder, 3 Katzen, 2 Kaninchen und nicht Vollbeschäftigt, da immer noch gesundheitlich eingeschränkt. Über meine Schwester und meinen Schwager wurde ich fündig. Ein kleines Haus, mit Garage, Garten und Parkplatz. 4 ZKBB. Ich nahm es und wir zogen im Frühjahr 2012 um. Erst ab da stellte ich die Zahlungen auf das Haushaltskonto auch ein. Und dann wollte die Bank plötzlich wieder reden. Sie boten mir ein Tilgungsfreies Jahr an. Leider hätte das nicht viel gebracht, da die Zinsen den immer noch größten Anteil ausmachten (an die 600 Euro), während die Tilgung nur um die 150 Euro betrug. Weiterhin würde sich das ganze negativ auf die weiteren Jahre auswirken. Als der Stromanbieter für das Haus zum Auszug die Zählerstände ablas, hatten wir natürlich über den Winter noch mal Nachtspeicherstrom verbraucht. Und da sie uns im Dezember alles ausgezahlt hatten, wollten diese nun auch knapp 1500 Euro von mir haben. Im Sommer konnte ich dank eines befreundeten Maklers mein Haus verkaufen. Allerdings weit unter dem, was wir damals bezahlt und aufgenommen hatten. Der Kaufpreis betrug in 1998 noch 190.000 DM. Dazu kam die Badrenovierung und der Dachbodenausbau. Insgesamt also ca. 240.000 DM. Grob überschlagen also nunmehr 120.000 Euro. Davon hatten wir 30.000 Euro getilgt. Blieben 90.000 über. Mit Vorfälligkeit und Bearbeitungsgebühren ein wenig mehr. Bekommen haben wir Round about 60.000 Euro beim Verkauf. Die Preise für Fachwerkhäuser waren in den Keller gefallen, Häuser in der Nachbarschaft schon für weitaus weniger weg gegangen. Außerdem waren die Zinsen niedrig wie lange nicht mehr, was viele dazu veranlasste lieber neu zu bauen. In den Ortskernen standen ältere Häuser länger leer.

Ich wurde geschieden und stand im Herbst 2012 mit 30.000 Euro Schulden aus dem Hausverkauf, 1500 beim Stromanbieter, 1200 bei der Wohngeldstelle da. Nun suchte ich zum ersten Mal eine Schuldnerberatung auf. Die Berater waren sehr nett, rechneten mit mir alles durch und rieten mir zum Privatinsolvenzverfahren. Einen Kredit würde ich nicht so einfach bekommen, für einen Kredit ohne Sicherheit (wie z.B. ein Haus) lägen die Zinsen bei sicher 8-9 % und die monatlichen Raten plus der laufenden Miete und Verpflichtungen würde mir die Haare vom Kopf fressen. Sollte mein Exmann die Schulden vom Hauskredit nicht mit abzahlen, würde die Bank außerdem die Gesamtsumme komplett von mir fordern. Man kann in der Ehe entstandene Schulden nicht aufteilen lassen. Die Gläubiger wenden sich an den, der vermeintlich zahlen kann. Leider verfüge ich auch über keine reiche Erbtante oder sonst jemanden, der mir eine solche Summe hätte privat leihen können. Mittlerweile war ich auch geschieden worden. Auch hier musste ich bluten. Ich musste meinen Exmann Rentenanteile abgeben, da er während der Ehe zeitweise arbeitslos gewesen war und in den Jahren seiner Selbständigkeit (also von 2008 – heute, 2012) nichts in die Rentenkasse eingezahlt hatte. Selbst mein Anwalt war erstaunt, aber ich hatte scheinbar in den Jahren unserer Ehe mehr Rentenanteile als er erworben.

Gemeinsam mit der Schuldnerberatung leiteten wir nach einem außergerichtlichen Einigungsversuch, in dem wir den Gläubigern eine gewisse Summe monatlich anboten (die das ablehnten, da zu niedrig), das Insolvenzverfahren ein. Ich gab die Unterlagen vor Weihnachten beim Amtsgericht ab.
Welche Vorteile hat das für mich? Nun, zum einen ist man ab sofort von den Mahnungen, Inkassobüros oder Gerichtsvollziehern erlöst. Diese setzen sich nun mit dem Amtsgericht, später dann mit dem Treuhänder in Verbindung. Bei mir gab es noch kein Inkasso, kein Gerichtsvollzieher, aber es erleichterte zunächst dennoch.
Bei mir hielt die Erleichterung jedoch nicht lange vor. Denn nun kamen die üblichen Schritte in Gang. Das Verfahren wurde am 24. Januar 2013 eröffnet, ein Treuhänder vom Gericht bestellt.
Anfang Februar 2013 wurde mein Konto gesperrt. Das ist nicht unüblich, der Treuhänder muss nun erst mal das Vermögen des Gläubigers sichten und schauen, wo vielleicht noch etwas zu holen ist. Leider bemerkte ich dies erst an der Supermarktkasse, wunderte mich, warum meine Karte nicht funktionierte, da ich eigentlich noch Guthaben hatte. Also erst ein Anruf bei der Bank, dann beim Treuhänder. Ich soll alle Kontoauszüge schicken. Nun also zur Bank. Und da die Ernüchterung. Ich stecke meine Karte in den Kontoauszugsdrucker und sie wird eingezogen. Der Schalter ist nicht mehr besetzt. Das heißt einen weiteren Tag warten. Als ich am nächsten Tag dort bin, werde ich zuerst abgewiesen. Die Karte bekomme ich nicht zurück, Auszüge können sie mir nicht drucken. Und wenn, dann kostet das Geld. Da der Treuhänder (ich werde ihn im folgenden TH nennen) ziemlich weit von mir entfernt wohnt, mache ich also ein Päckchen fertig. Meine Abrechnungen, Mietvertrag, sonstige Verträge, Kopie meines KFZ-Scheins, die Kontoauszüge, die ich zuhause habe) und bringe es vor der Arbeit noch auf die Post. Das Geld hierfür musste ich mir bereits leihen. Es ist Freitag. Da ich meinen Einkauf nach der Kartenepisode stehen lassen musste, weiß ich nicht, wie wir das Wochenende rumkriegen sollen. Und ich muss zur Arbeit. Bin schon zu spät, es hat geschneit und ich beeile mich. Vor dem Eingang lege ich mich dezent auf die Knie. Es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Nicht nur Sprichwörtlich.
Ein Kollege leiht mir Geld, die Kinder geben mir was von ihrem ersparten. Es dauert 5 Tage, bis ich wieder an mein Konto ran kann (12.02.13).
Am 25. Februar kommt der TH zu mir nach Hause. Ich bin tierisch aufgeregt. Soll ich irgendwas verstecken? Kann er in den Kinderzimmern den Fernseher oder die Playstation fordern? Bei mir gibt es nichts zu holen. Besitze einen kleinen, alten Röhrenfernseher, überwiegend entweder schon sehr alte Möbel (aber nicht antik), teilweise aus dem Gebrauchtwarenkaufhaus oder sehr günstige (z.B. Sitzecke in der Küche für 99 Euro). Der Termin läuft eigentlich ganz positiv. Er schaut sich gar nicht wirklich um, die Kinderzimmer gehören den Kindern und er rät mir, von meinem pfändungsfreien Betrag in der Folgezeit was zuhause zurück zu legen, da die 6 Jahre durchaus hart werden können. Er meint es läuft scheinbar bei mir auf einen Nullplan hinaus, da ja so gut wie nichts pfändbar sei. Die Pfändungsfreigrenze befindet sich bei 1659,99 Euro, Kindergeld geht extra. Obwohl mein Sohn in der Ausbildung ist, wird er als unterhaltsberechtigt mir gegenüber angerechnet. Er ist im 1. Lehrjahr und macht gerade den Führerschein, den er dringend benötigt. Meine Tochter geht noch zur Schule. Der TH eröffnet ein Konto, auf das alle abzuführenden Beträge gehen werden.
Meine Arbeitgeber werden informiert, der Arbeitgeber (2) meines Minijobs dazu aufgefordert monatlich 7,26 Euro an den TH abzuführen.
Anfang März meldet sich der TH wieder. Ich soll die Steuer von 2011 und 2012 machen. Bisher habe ich diese nicht gemacht weil ich auf Unterlagen meines (Ex)Mannes gewartet habe. Wir wurden im August 2012 geschieden und hätten die Steuer noch gemeinsam machen können. Dann hätten wir eine Rückerstattung bekommen. So errechnet mein Steuerprogramm, dass ich Nachzahlen muss. Insgesamt an die 1500 Euro. Nach dem ersten Schreck kommt die Mitteilung des TH: muss nicht zahlen, fließt ebenfalls mit in die Insolvenz.
Am 17.04.2013 findet dann der Berichts- und Prüfungstermin am Amtsgericht statt. Es erscheinen keine Gläubiger. Nach 5 Minuten ist alles beendet. Der TH redet kurz mit mir, fordert mich auf ihm die Abrechnungen zu senden und mitzuteilen ob mein Sohn mit dem Führerschein fertig ist. Der TH scheint hier öfter ein- und aus zugehen, er duzt einige Mitarbeiter am Gericht.
29.04.2013 Erhalte ein Schreiben vom TH indem ich aufgefordert werde, die Pfändungen von Jan. – März selbst auf das Konto zu überweisen, da es der AG 2 scheinbar noch nicht tut.
Die Steuerbescheide kommen im Mai. Einer ist falsch, lege Wiederspruch ein und der Betrag verringert sich noch mal geringfügig, muss aber nichts zahlen.
Nun ist es erst mal eine Weile ruhig. Höre nur Mitte Juni mal was vom TH, er hat die Kanzlei gewechselt, ist nun für mich noch weiter entfernt. Laut Routenplaner 32 km.
29.07.2013 TH schreibt mich an. Der AG 2 führt die Pfändungen immer noch nicht ab, so dass ich nun die Abrechnungen April – heute senden muss, außerdem die Arbeitsverträge meiner Kinder und meine Kontoauszüge. Meine Tochter beginnt am 01.08.2013 ebenfalls eine Ausbildung.
19.08.2013 Ein weiterer Brief des TH trifft ein. Ich soll die Beträge von April bis heute in Höhe von 71,54 wieder selbst überweisen, außerdem die Dividende von 0,87 Euro, die er auf meinen Kontoauszügen entdeckt hat. Meine Bank ist eine Genossenschaft, dort musste ich mich bei Kontoeröffnung mit 50 Euro einkaufen. Dieses „Guthaben“ habe ich dem TH zu Anfang abgekauft, indem ich 50 Euro auf das Insolvenzkonto überwiesen habe.

07.09.2013 Erhalte mein Gehalt zu spät und um einiges niedriger. Befinde mich zu der Zeit auf einer mehrtägigen Radtour (teuren Urlaub kann ich mir nicht leisten). Der TH hat den Arbeitgeber 1 meiner Teilzeitstelle dazu aufgefordert die Pfändung vorzunehmen, da der AG 2 des Minijobs dies weiterhin nicht tut. Außerdem hat er dem AG 1 mitgeteilt, dass ich keine unterhaltsberechtigten Kinder habe. Mein AG 1 folgt ohne Nachfrage diesem Aufruf. Dadurch, dass mein Gehalt nicht kam, habe ich erhebliche Schwierigkeiten. Rücklastschriften, die wieder Geld kosten, Mahnungen, die Geld kosten, die Miete konnte nicht abgehen, der Dauerauftrag wurde daher gelöscht und ich muss ihn neu einrichten und das Geld überweisen.
24.09.2013 Amtsgericht fordert mich auf eine Stellungnahme zum Antrag des TH abzugeben, der meine Kinder als für sich selbst sorgend (und somit nicht mehr als unterhaltsberechtigt) erklärt hat
29.09.2013 Ich setze ein Schreiben auf, in dem ich darlege, dass ich das keinesfalls so sehe. Dadurch, dass die Kinder noch bei mir wohnen, habe ich natürlich auch höhere Kosten, als wenn ich allein lebend wäre. Wir benötigen eine größere Wohnung, verbrauchen mehr Strom, Wasser, etc. Ich zahle die GEZ, Telefon, Internet. Außerdem ist meine Tochter erst 16 Jahre alt. Ich habe Fahrtkosten, da ich Erwerbstätig bin und dadurch, dass die Busanbindungen so übel sind, muss ich meine Tochter zur Arbeit fahren und auch abholen.
02.10.2013 Mein Gehalt von meiner Teilzeitstelle kommt. Wieder verspätet und gepfändet. Ich schreibe den TH an und frage nach ob er das beauftragt hat oder das Gericht und nach welcher rechtlichen Grundlage. Meinem Wissen nach, zählt nur die Entscheidung des Amtsgerichtes. Er antwortet nur knapp dass sich das seiner Kenntnis entzieht. Spätestens hier wird mir klar, dass der TH nicht dein Freund ist, auch nicht dein Berater. Er arbeitet für die Gläubiger und für sein eigenes Einkommen. Er fordert in diesem Zug aber mal gleich die Abrechnungen September und Oktober. Da ich nur dann Abrechnungen erhalte wenn sich am Gehalt etwas geändert hat, habe ich keine.
08.10.2013 Ich fordere also die Gehaltsabrechnungen in der Personalabteilung an und bitte um eine Auskunft, wer die Pfändung veranlasst hat und auf welcher Gesetzesgrundlage (laut Amtsgericht soll ja der Arbeitgeber des Minijobs abführen)
14.10.2013 Das Amtsgericht schickt mir nun die Stellungnahme des TH zu meiner Stellungnahme. Wieder habe ich eine gesetzte Frist Zeit, dazu Stellung zu nehmen
21.10.2013 Erneut habe ich einen Termin bei der Schuldnerberatung. Der Berater entwirft mit mir eine weitere Stellungnahme ans Amtsgericht, er kann die Vorgehensweise bisher auch nicht verstehen, die Pfändungen des Arbeitgebers waren vorschnell und sind erst nach einer Entscheidung des Amtsgerichtes zu entrichten. Ich soll Personalrat einschalten und zurück fordern. Bei einer negativen Entscheidung des Amtsgerichtes soll ich Beschwerde einreichen
21.10.2013 Ich bitte den Personalrat um Hilfe, eine nette Frau ruft mich direkt an, versteht das Problem und bittet mich an die Rechtsabteilung zu schreiben
21.10.2013 Diese Dame schreibt mir eine Mail, hat sich ebenfalls mit der Rechtsabteilung in Verbindung gesetzt, die gibt mir Recht und will sich darum kümmern, außerdem versuchen Sie einen kostenlosen Rechtsbeistand für mich zu finden
21.10.2013 Ich schreibe der Rechtsabteilung und der Personalabteilung, bitte von Pfändungen vor dem endgültigen Gerichtsurteil abzusehen und fordere die bisher entrichteten Beträge zurück
21.10.2013 Der TH meldet sich, erklärt, dass er davon ausgeht, dass die Kinder raus gerechnet werden und ich mich drauf einstellen soll und mein Sohn dann eben sein Auto verkaufen muss um mir monatlich Geld zu geben, die Kinder seien selbst für sich verantwortlich und haben ihr Leben zu tragen
21.10.2013 Ich schreibe dem TH zurück, dass ich die ungerechtfertigten Pfändungen nicht hinnehme, mein Geld zurück möchte und wir das Urteil erst mal abwarten werden
29.10.2013 Eine Frau der Personalabteilung schreibt mir, dass das Gericht dem Antrag des TH stattgeben wird, dass auch meine Jahressonderzahlung (Weihnachtsgeld) gepfändet werden wird und der Arbeitgeber dafür sorgen muss, dass bei Änderungen die Pfändung automatisch angepasst wird (auch schon vor dem Gerichtsbeschluss)
29.10.2013 sende der Schuldnerberatung die Mails
30.10.2013 Beschluss Amtsgericht wird zugestellt, Kinder werden nicht mehr berücksichtigt, müssen für sich selbst aufkommen
31.10.2013 Sende den Beschluss des Amtsgerichtes per Mail an Schuldnerberatung
31.10.2013 frage TH wie ich das in die Tat umsetzen soll Geld für den Lebensunterhalt von meinen Kindern einzufordern, da alle Überweisungen auf meinem Konto als zusätzliche „Einnahme“ angesehen werden und gepfändet werden könnten
01.11.2013 Mail von Schuldnerberatung: 500 Euro der Sonderzahlung (Weihnachtsgeld) seien normalerweise unpfändbar
01.11.2013 Mail von TH, die Kinder können Anteil Ihrer Lebenshaltungskosten auf mein Konto überweisen und dies wird nicht als Einkommen gewertet und nicht gepfändet
01.11.2013 Schuldnerberatung meint der Beschluss sei ab 10.09. (rückwirkend) gültig, da TH dort Antrag gestellt hat, bei einer Beschwerde müsste ich allerdings unter Umständen die Kosten des Verfahrens selbst tragen

Ich gebe auf. Zu groß ist die Angst, dass dort Kosten entstehen, die ich nicht zahlen kann. Erkundige mich, ob meine Kinder Wohngeld beantragen können. Geht nicht. Mietvertrag läuft auf mich. Auch ich kann kein Wohngeld beantragen. Dort zählt nur das Bruttoeinkommen. Die Insolvenz ist meine persönliche Angelegenheit. Würden meine Kinder ausziehen, bekämen Sie keine Ausbildungsbeihilfe, da ich für Ihren Lebensunterhalt aufkommen müsste. Dies wiederspricht sich meines Erachtens. Jetzt sind sie für sich selbst verantwortlich? Mit 16 Jahren im 1. Ausbildungsjahr? Und wenn sie ausziehen würden, bin ich in der Pflicht? Wer denkt sich solche Gesetze aus? Die Begründung lautet: sie haben etwas mehr als die Grundsicherung. Und wie heißt es so schön? Kinder, Ehegatten, etc. haben mit der Insolvenz nichts zu tun? Müssen nichts dafür bezahlen? Hinten rum müssen sie das schon. Ich bin nun gezwungen meinen Kindern eine Rechnung aufzumachen und sie zur Kasse zu bitten, sie können sich einiges nicht mehr leisten, müssen laut Gericht auf Führerschein/ Auto etc. verzichten, da sie ganz alleine für ihr Leben aufkommen müssen. Sie bezahlen den Preis mit! Wenn ich sie real zur Kasse bitten wollte, müsste ich über 400 Euro nehmen. Anteil Miete, Strom, GEZ, Telefon, Versicherung, Lebensmittel. Das ist unmöglich.

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{14. März 2014}   Präsentation und Lesung

Am 05.04.2014 ab 18 Uhr findet die Präsentation unseres Buches in Wittelsberg im Feuerwehrgerätehaus statt. Zur Lesung zeigen wir Bilder und anschließend stehen wir für weitere Fragen gerne zur Verfügung

Lesung und Präsentation unser Radtourengeschichte Heskem - Verona

Lesung und Präsentation unser Radtourengeschichte Heskem – Verona



{18. Februar 2013}   Jetzt die ersten

Jetzt die ersten Lesepröbchen in der Rubrik Geschichten



et cetera